Zum Thema Schwangerschaftsabbruch positive Utopien zu entwickeln scheint gar nicht so einfach – zumal in klassischen patriarchalen Debatten meist die Interessen von schwangeren Personen den Interessen des sogenannten „ungeborenen Lebens“ entgegengesetzt und so ein geradezu philosophisches Dilemma geschaffen wird, bei dem gesellschaftliche Rahmenbedingungen keine Rolle spielen. Dabei ließe sich gerade hier viel gewinnen. Eine lose Sammlung, die eine Idee davon vermitteln möchte, wie sehr das individuelle Problem von gesellschaftlichen Strukturen hervorgebracht und verschärft wird:

- freier Zugang zu Abtreibungen und medizinischer Versorgung, ersatzlose Streichung des §218
Flächendeckender Zugang zu Einrichtungen, die respektvoll, unterstützend und im Sinne der schwangeren Person agieren.

- Ausbildung von medizinischem Personal
Damit Abtreibungen möglichst schonend durchgeführt werden kann, müssen die durchführenden und beratenden Personen selbst gut informiert sein. Aktuell ist der Schwangerschaftsabbruch kein Teil der Ausbildung von Ärzt_innen. Damit sich die schwangere Person vor dem Eingriff über die verschiedenen Abtreibungsmethoden, die Risiken und Vorteile informieren kann, braucht es qualifizierte Beratung!

- Kostenlose Durchführung aller Abtreibungen
Wie andere medizinische Versorgungsleistungen auch muss Abtreibung kostenlos zugänglich sein. Dass „bedürftigen Frauen“ eine gnädige Kostenübernahme gewährt wird, ist eine die gesellschaftlichen Verhältnisse ignorierende und von religiösen Gruppen (CDU, CSU) im Zuge der Anpassung von DDR- und BRD-Recht geprägter schlechter Kompromiss. Es ist unzumutbar, sich im Moment der unfreiwilligen Schwangerschaft noch durch einen Formulardschungel zu quälen.

- Kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln
Um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, bevor sie entstehen, braucht es bessere Aufklärung und leichteren Zugang zu kostenlosen Verhütungsmitteln.

- Kostenloser und rezeptfreier Zugang zur Pille danach
In sehr vielen europäischen Ländern wird die Pille danach ohne Rezept abgegeben. Aktuell gibt es auch in Deutschland Bestrebungen, dies zu ermöglichen. Bisher muss mensch sich noch immer zur Gynäkolog_in quälen, nicht selten unter Vorwürfen und erst nach einer – nicht notwendigen – vaginalen Ultraschalluntersuchung. Frauen_ können selbst entscheiden, welches Medikament sie einnehmen.

- Abschaffung der Zwangsberatung
, freiwillige Beratung in neutralen Stellen

- finanzielle Absicherung von Schwangeren und Menschen mit Kindern
, insbesondere Menschen mit besonders förderungsbedürftigen Kindern
Noch immer sind Kinder das Armutsrisiko Nr. 1 für Frauen. Das heißt, dass eine „freie“ Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung nicht möglich ist – wenn die Entscheidung durch die ökonomische Situation bestimmt wird.


- Ausbau des Betreuungsangebots für Kinder (Kita, Kindergarten, Ganztagsschule)


- Ausbau der Beratungsangebote für überforderte Menschen mit Kindern

Kinder werden im neoliberalen Hauen und Stechen zu einer Belastung, die nicht nur Geld kostet, sondern auch einen Karriereknick bedeutet und die individuelle Entfaltung einschränkt. Menschen mit Kindern werden mit der alltäglichen Unsicherheit und Überforderung allein gelassen, sie müssen diese vertuschen, um nicht als schlechte Eltern verurteilt zu werden. Der Druck, eine perfekte Bezugsperson für Kinder zu sein, ist groß – und er muss individualisiert getragen werden.
Es muss leichter werden, sich Hilfe zu holen. Das Konzept Kleinfamilie muss reflektiert werden – zum Beispiel mit Hilfe andere Modelle (wie z.B. Ansätzen im Kibbuz), in denen Kindererziehung als gemeinschaftliche Aufgabe behandelt wird, nicht als zusätzliche individuelle Belastung, die – selbstverständlich unentgeltlich – von Frauen zusätzlich zumJob getragen wird.