Die heimlichen Sieger der Bürgerschaftswahl – die Evangelikalen

vulva__madonnaKopiert von Ganz Gottlos:

Aus zwei wurden drei
Nach der Wahl sitzen aus Bremen 3 Aktivisten evangelikaler Kirchengemeinden in der Bremischen Bürgerschaft. Allein das Wahlverfahren, der Vergabe von 5 Personenstimmen, machte dieses Ergebnis möglich. Die Listenplätze auf den Parteien hätten bei gleichem Wahlausgang nur dem SPD Mitglied Elombo Bolayela (Markusgemeinde) einen Platz in der Bürgerschaft gesichert. Sigrid Grönert, schon in der letzten Legislaturperiode in der Bürgerschaft (Paulusgemeinde/Freikirche in Obervieland) wurde von der CDU auf Platz 19 gesetzt. Mit den Personenstimmen kam sie auf Platz 14. Einen noch größeren Satz machte Birgit Bergmann (Matthäus Gemeinde Huchting) auf der CDU Liste von 27 auf Platz 16, der gerade noch für den Einzug in den Landtag ausreichte. Für beide hätte es nach der CDU Nominierung nicht gereicht. Die wohl erhebliche Mobilisierungsfähigkeit der bibelfesten Gemeinden hat für reichlich Personenstimmen gesorgt. In Huchting und Obervieland wurden in den Gemeindezentren unmittelbar vor der Wahl Mobilisierungs- und Diskussionsveranstaltungen mit den christlichen KandidatInnen durchgeführt. Nach der Wahl war der Jubel entsprechend groß. Auf der Facebookseite der Matthäus Gemeinde hieß es: “ Endlich macht Wählen wieder Spaß“.

Zufall oder Teil der Missionsstrategie der Bibelfesten ?

Die oben Genannten mögen eventuell einen individuellen Spaß an parlamentarischer Politik haben. Auf jeden Fall sind sie aber mit der ausdrücklichen Unterstützung der Evangelikalen Bewegung versehen. Seit langem werben die Kirchen der Evangelischen Allianz in Ihren Reihen für mehr politisches Engagement ihrer Mitglieder. Die Durchsetzung ihrer mittelalterlichen Moralvorstellungen von Familie, Sexualität, Genderfeindlichkeit und Abtreibungsverboten stehen dabei im Mittelpunkt.
Peter Strauch, von 2000 bis 2006 Vorsitzender der Evangelischen Allianz, formulierte am 1. April 2006 auf einer Tagung der Evangelischen Allianz und der Konrad Adenauer Stiftung
„Jesus Christus ist der Herr (Philipper 2, 9-11). Deshalb gibt es keinen Lebensraum außerhalb seines Herrschaftsbereiches. Wo immer wir sind, was immer wir tun, er ist zuständig.“
Als „Konsequenz“ daraus formulierte er: „Der Mensch ist nicht für die Obrigkeit da, sondern die Obrigkeit ist eingesetzt (von Gott) als Rechtsschutz für das Zusammenleben von Menschen (Römer 13, 4). Christen haben ihr zu gehorchen und für sie zu beten (1. Timotheus 2, 2). Die Grenzen des Gehorsams sind dort erreicht, wo das Gesetz der Obrigkeit gegen Gottes Gesetz steht (Apostelgeschichte 4, 19).“

Der geschäftsführende Vorstand der Evangelischen Allianz formulierte in Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl 2013 denn auch noch einmal deutlich und präzise:
„Wir ermutigen deshalb Christen öffentliche Aufgaben vor Ort, wie z.B. in der Nachbarschaftshilfe, in der Schule, an der Universität, am Arbeitsplatz zu übernehmen. Wir bitten auch, entsprechend begabte Mitchristen zum direkten politischen Engagement in Parteien und Parlamenten zu ermutigen und darin zu unterstützen.“

Bei den formulierten Inhalten, d.h. den Fragen an die Bundestagskandidaten, wird es dann reaktionär und rückschrittlich. Dort heißt es:

„Alle im Grundgesetz festgelegten Grundrechte sind als Konsens in unserer Gesellschaft zu bewahren. Mitunter ist das aber nicht ohne Güterabwägung möglich, z.B. in der Auseinandersetzung zwischen der garantierten Freiheit der Kunst und der Verantwortung vor Gott. Mindestens die öffentliche Gotteslästerung muss deshalb untersagt und strafrechtlich bewehrt werden und kann sich nicht auf die Freiheit der Kunst berufen. Dasselbe gilt auch für den Schutz des religiösen Empfindens.

Deshalb fragen wir: Wollen Sie dafür sorgen, dass künftig Gotteslästerung und Verunglimpfung des christlichen Glaubens, auch in der Kunst und in den Medien, unterbunden werden?
Sind Sie bereit, insoweit die Freiheit zur öffentlichen Meinungsäußerung einzugrenzen?

Deshalb fragen wir: Was werden Sie tun zur Stärkung der Ehebereitschaft und Eheerhaltung?
Wollen Sie das Lebenspartnerschaftsgesetz wieder zurücknehmen? Wollen Sie, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften die gleichen Rechte in unserem Staat genießen wie die heterosexuelle Ehe? Sind Sie der Auffassung, dass auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften Adoptionsmöglichkeiten erhalten sollen?“

Da die Evangelische Allianz Homosexualität als nicht von Gott gewollt bezeichnet, ist die Intention klar. Wer als Kandidat die „Ehe für alle“ fordert, ist aus Sicht der Evangelikalen absolut nicht wählbar. Zu den weiteren Fragen gehört natürlich die Forderung nach dem Abtreibungsverbot, jegliche Absage daran, sein Lebensende selbst bestimmen zu können und ganz nebenbei wird auch nach Schritten zur Senkung der „hohen Steuer- und Abgabenquote“ und der „Förderung der Arbeitsbereitschaft“ gefragt. Letzteres liegt voll im „neoliberalen Trend“ von AfD und FDP.
Die Motivation und inhaltliche Ausrichtung des Handelns der oben genannten Bürgerschaftsabgeordneten dürfte daher weniger auf den Landesparteitagen der sie nominierenden Parteien als vielmehr in der Bibelinterpretation der weltweiten evangelikalen Bewegung zu suchen sein. Bibelunterricht an Schulen findet sich denn auch in dem oben genannten Allianz Papier als Forderung wieder.
Also, Augen auf!
Wir waren uns nicht einig, ob Elisabeth Motschmann, Spitzenkandidatin der CDU, noch dem evangelikalen Block zugerechnet werden kann. Wenn ja, ist es noch eine mehr.“