„Nicht die AfD ist das Problem…“

„…sondern die Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat“. Kurz dokumentiert: Ein Flugblatt von der „AG Feminist*innen gegen den antifeministischen Backlash“, das bei der gestrigen Demo gegen die AfD verteilt wurde:

„Die AfD ist ohne Zweifel eine besonders miese Vorreiterin der Frauen*verachtung. Vom Himmel gefallen ist sie aber nicht: Sie treibt nur den rechten Konsens voran. Die AfD und ihre unsympathischen Freund*innen von Pegida, NPD, CDU/CSU, Hooligans, Verschwörungtheoretiker*innen und Wutbürger*innen steigern sich dabei in eine aggressive Furcht vor FrauenLesbenInterTrans*, die ihre – vielen verschiedenen – Bedürfnisse benennen, sich für ein gutes Leben einsetzen und ihre Fähigkeiten mit Lust und Laune ausbauen.

Zeit, mal richtig Angst zu kriegen: Wir haben gerade erst angefangen!

FrauenLesbenInterTrans* wehren sich gegen Belästigung, Übergriffe und sexualisierte Gewalt: Indem wir trainieren, diskutieren, informieren. Weil wir wissen, dass die Gerichte die wenigen Vergewaltiger, die überhaupt angezeigt werden, eh nicht von weiteren Taten abhalten, helfen wir uns selbst. Der gefährlichste Ort für eine Frau* in dieser Gesellschaft ist ihr Zuhause – aber nur so lange, bis wir zurückschlagen!

FrauenLesbenInterTrans* entscheiden selbst, ob sie schwanger bleiben wollen. Wir kämpfen dafür, dass alle, die abtreiben wollen, kostenlosen Zugang zu sicheren Abtreibungsmöglichkeiten haben! Wir lassen uns von der sozialdarwinistischen Annahme, dass alle Frauen* angeblich Mütter werden wollen, nicht verblöden und leben solidarisch zusammen – mit Patchwork, offenen Beziehungen, schwul, lesbisch, hetero, trans*, genderqueer – weil wir auf die Kleinfamilie als Keimzelle des Staates genau so scheißen wie auf den Staat selbst. Während die christliche Rechte sich von den neoliberalen Anforderungen an den heterosexuellen Mann bedroht fühlt, geben wir uns nicht dem Phantasiebild der Familie als letztem trauten Refugium hin. Dem Elend, dem Menschen jeden Geschlechts in der kapitalistischen Konkurrenz ausgesetzt sind, wollen wir durch solidarische Zusammenschlüsse entgegegenwirken.

FrauenLesbenInterTrans* setzen Rechte bei der Lohnarbeit durch – ohne auf die „Vertreter/innen“ vom DGB zu warten! Jede*r Kolleg*in weiß selbst am besten, was bei der Arbeit scheiße läuft, wann sie streiken oder die Arbeitsabläufe sabotieren will, um sich nicht länger von den Chef*innen, mit denen der DGB seit Jahrzehnten kuschelt, über den Tisch ziehen zu lassen. Wir schließen uns in Basisgewerkschaften zusammen, diskutieren und streiken wild!

Wir hoffen nicht auf Recht und Gesetz, um die „Gnade“ des Bleiberechts zu erbitten – wir heiraten über Grenzen hinweg, unterstützen Illegalisierte beim Untertauchen, besorgen die Medikamente, die in den Lagern vorenthalten werden. Durch das Geschwafel vom Kampf der Kulturen, Rettung des Abendlands und Religionskriegen lassen wir uns nicht darüber hinweg täuschen, dass die Grenze nicht zwischen den Ländern verläuft, sondern zwischen oben und unten.

Wenn die Parteien und der DGB sich heute als zivilgesellschaftliches Bollwerk gegen „die Rechten“ inszenieren, vergessen sie, dass „die Rechten“ nur das zuspitzen und militant durchsetzen, was Zivilgesellschaft und rechter Konsens auch feiern. Der rechte Konsens, der uns mit Hartz IV und Niedriglohn krank macht, der das Asylrecht verschärft hat, der den Verfassungsschutz nicht abgeschafft hat, der die neoliberale Verelendung vorantreibt und uns dabei einredet, wir könnten mit harter Arbeit alles erreichen, der die ökologische Katastrophen Atomkraft, Gentechnik, Fracking passieren lässt, so lange es Profit bringt – von dem haben wir nichts zu erwarten.“